Bitterböser Humor, brillant gespielt

von Markus Utz

Badische Zeitung: Mo, 02. Januar 2017
Text und Bild: Erik Stahlhacke

Laienspielgruppe des Radvereins Bamlach bringt in Mundart den Streit zwischen einem Dorfpfarrer und Bürgermeister auf die Bühne.

Vielleicht hilft Beten? Pfarrer und Schulte im Clinch.

In Bamlach ist "die Kacke am dampfen": Die Katze des Pfarrers hat sich im Radieschenbeet des Bürgermeisters erleichtert, dessen Hund wiederum auf dem Grundstück seines geistlichen Nachbars. Doch die erbitterte Feindschaft zwischen kirchlichem und weltlichem Gemeindeoberhaupt ist plötzlich Geschichte, als eine große Menge Geld ins Spiel kommt.
Unter der Regie von Monika Morath brachte die Laienschauspielgruppe des Radvereins Bamlach am Freitag den Dreiakter "Wunder, Zoff und Zunder" von Bernd Gombold auf die Bühne in der Bamlacher Halle. Mit bitterbösem Humor und brillanter Besetzung empfahl sich das Ensemble für kommende Aufführungen.

Das Bühnenbild zeigt Bauernhäuser, Bäume und eine Kapelle auf grünem Hügel. Doch die Dorfidylle trügt. Bürgermeister Hans (bissig gespielt von Horst Werner) und Dorfpfarrer Josef (herrlich von Dietmar Bächlin) liegen seit Jahren im Clinch. Hier prallen zwei Welten aufeinander: Arroganz gegen Bescheidenheit, frivoler Lebensstil gegen Enthaltsamkeit, Weltlichkeit gegen Geistlichkeit. Dass der Bürgermeister kein Geld für die Renovierung der historischen Kapelle beisteuern will, ist da nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen und den Streit zwischen den beiden zum Eskalieren bringt.

Das Lustspiel karikierte das Dorfleben mit seiner traditionellen Rollenverteilung schonungslos und in tiefem Alemannisch. Das kam prächtig an beim Publikum, das schon während der Vorstellung regelmäßig applaudierte. Nicht nur die beiden Hauptakteure glänzten. Man hatte den Eindruck, die Rollen seien den Schauspielern auf den Leib geschnitten worden. Susanne Weh als Haushälterin des Pfarrers und Franziska Männlin als Bürgermeistertochter verkörperten mit viel Spielfreude moralische Grundwerte in einem sonst völlig unmoralischen Stück. Claudia Fräulin als geizige Witwe ("Was des wieder koschtet!") und Guido Plamer als korrupter Gemeindearbeiter verschmolzen geradezu mit ihren urkomischen Rollen und standen in der Gunst des Publikums ganz oben. Und Maximilian Epking hatte als Wandermönch eine Schlüsselrolle inne, die er bestens ausfüllte.

Unterstützung kam von den Souffleusen Michaela Schamberger und Marlies Weh, um die Maske kümmerte sich Johanna Laatsch. Besonders dick aufgetragen war die Schminke bei der wohlhabenden Liebhaberin des Bügermeisters mit einer Frisur wie "ein Komposthaufen auf’m Recyclinghof".

Der Besuch der alten Dame kommt ihm gerade recht: Frau von Zickenberg (auf Hochdeutsch gespielt von Doris Räuber) will sich mit 150 000 Euro den Abriss der Kapelle erkaufen und auf dem Grundstück ein modernes Wohnhaus bauen. Doch dann werden plötzlich angebliche Fresken von Michelangelo unter dem Putz entdeckt. Ist die Kapelle jetzt gerettet?

Wie es weitergeht, wird an dieser Stelle nicht verraten. Denn im Januar gibt es zwei weitere Aufführungen und auch bei den Mundarttagen im Mai wird die Truppe dabei sein. Nur eines sei hier gesagt: Des Pfarrers Kutte ist doch nicht so unbefleckt wie das Publikum zunächst glaubte. Und beide, Bürgermeister und Pfarrer, lernen am Ende eine ganz und gar weltliche Lektion, die sich gewaschen hat. Auch wenn die Vorstellungen am 5. und 7. Januar schon vergangene Woche so gut wie ausverkauft waren, lohnt es sich jedenfalls, nach zurückgegangenen Karten zu fragen.

Danke Herr Stahlhacke für diesen tollen Bericht!

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